Kreiskommandanten
Hohe Zahl von Dienstverschiebungen gibt zu denken …
09.07.2007 - Bei der Behandlung der statutarischen Geschäfte stand die Wahl des Vorstandes im Vordergrund. Zum neuen Präsidenten gewählt wurde Oberst im Generalstab Adrian Ambühl (Kreiskommandant Bern).
Im Kantonsratssaal in Herisau entbot Gemeindepräsident Paul Signer den Willkommgruss Namens der Behörden. Das Dorf mit dem Sitz von Kantonsregierung und Parlament sei auch militärfreundlich eingestellt. Innerhalb ihrer Grenzen zählen die Infanterie-RS und die BUSA (Berufsunteroffiziersschule); zudem bestehe der Waffenplatz seit dem Jahre 1861. Zahlreiche Gäste folgten der Einladung; u.a. durften begrüsst werden: Nationalrätin Marianne Kleiner; Kantonsratspräsident Arthur Sturzenegger; Militärdirektor und Regierungsrat Hans Diem, die Gemeindepräsidenten Paul Signer (Herisau) und Stefan Frischknecht (Urnäsch); die Divisionäre Peter Stutz (Chef Führungsstab) und Hansueli Solenthaler (Kdt Ter Reg 4) und die Brigadiers Dieter Weber (Oberauditor) und Dominique Andrey (Chef Personelles). Seit der Jahreskonferenz 2005 in Delémont wurden drei Kreiskommandanten in ihr Amt eingesetzt. Willkommen geheissen wurden: Oberst Rolf Leuthard (Solothurn), Oberstleutnant Urs Marti (Zug) und Franz Büsser (Appenzell Innerrhoden). – In den Ruhestand traten Oberst Bruno Fässler (Kreiskommandant Appenzell Innerrhoden von 1979–2006), Oberst Adolf Durrer (Kreiskommandant Zug von 1992–2006) und Oberst Willi Wyss (Kreiskommandant Solothurn von 1981–2006).
Milizarmee keine Einsatzarmee für den Alltag!
Präsident Müller kam in seinem sehr ausführlichen Jahresbericht auf verschiedene Punkte zu sprechen. Unter anderem kam er auf die Finanzen zu sprechen. So meinte er unter anderem, dass der Staat jene Leistung von der Armee bekomme, für die er bereit sei die Rechnung zu bezahlen. So sei unbestritten, «dass unser Milizsystem eine kostengünstige Lösung für unsere Armee sei. Es bleibt aber unsere Aufgabe im Einzelfall zu prüfen, ob der in Frage stehende Auftrag durch unsere Milizarmee auch wirklich optimal erfüllt werden kann.» Die Kantone und die Kommunen seien auf die subsidiären Einsätze zur Existenzsicherung der Armee angewiesen. Auch die Polizeikorps verfügen nicht über Reserven zur Bewältigung ausserordentlicher Ereignisse über längere Zeit. Wenn sich dann Ereignisse gleichzeitig in verschiedenen Kantonen abspiele, stosse die eingespielte interkantonale Zusammenarbeit der Polizei an Grenzen. Das Gleiche gelte auch für die Erfüllung des Sicherheitsauftrages bei Grossanlässen (Beispiel Euro08). Es sei daher sinnvoll, wenn man für diese Aufgaben auf eine milizmässige Verstärkung zurückgreife. – «Das Problem der raschen Verfügbarkeit der milizmässigen Verstärkung bleibt aber ungelöst. Die Armee eignet sich bestens zur Bewältigung des Einmaligen und Ausserordentlichen im Dienst unserer Sicherheit. Aber mit ihrer Milizorganisation eignet sie sich überhaupt nicht für die Wahrnehmung von Daueraufgaben. Es ist nicht sinnvoll und auch nicht kostengünstig für Daueraufgaben ständig wechselnde Armeeangehörige vom angestammten Arbeitsplatz abzuziehen. Unsere Milizarmee ist eben keine Einsatzarmee für den Alltag!»
Verteidigung und Raumsicherung bleiben militärische Kernkompetenz trotz des gegenwärtig geringen Bedrohungsrisikos, führte der Präsident unter anderem weiter aus. Unsere Armee bleibe in erster Linie eine Ausbildungsarmee; «eine Armee, die wir – wie seit Jahrzehnten – für den hoffentlich nicht eintretenden Ernstfall ausbilden.» Geändert habe sich jedoch das Bild des möglichen Ernstfalls. Genau dafür sei die Milizlösung prädestiniert.
Hohe Zahl von Dienstverschiebungen
Die Motivation von Kader und Truppen in den Dienstleistungen sei grundsätzlich immer noch gut. Jedoch die hohe Zahl von Dienstverschiebungsgesuchen müsse Anlass zu Überlegungen geben. Noch immer sei die Frage nicht geklärt, wie das Studium und die militärische Kaderausbildung aufeinander abgestimmt werden könne. Vielmehr müsse man Lösungen suchen wo die militärische und die berufliche Laufbahn nicht wie bisher parallel verlaufen, sondern als Sequenzen hintereinander.
Eine der zentralen Aufgaben der Kreiskommandi sei die Schweizer Armee mitzutragen. Dies bedeute, die Armee aus kantonaler Sicht zu unterstützen und die zugewiesenen Aufgaben optimal zu erfüllen.
Mit einem gewissen Stolz dürfen auch die Kantone vermerken, dass sie am offensichtlichen Erfolg der neuen Rekrutierung – bis zu einem gewissen Grad – mitbeteiligt sind, hielt der abtretende Präsident weiter fest.
Neuer Vorstand
Nach verdienstvollem Wirken aus dem Vorstand zurückgetreten sind: Oberst Hansueli Müller (Zürich) als Präsident, Oberst Bruno Fässler (Kreiskommandant Appenzell Innerrhoden bis 2006) und Oberstleutnant Egon Bayard (Deutsch-Oberwallis) als Sekretär. Für eine weitere Amtsperiode bestätigt wurden Oberst Rolf Stäuble (Kreiskommandant Aargau) als zweiter Sekretär der Militär- und Zivilschutzdirektorenkonferenz und Major Walter Hörnlimann (Kreiskommandant St. Gallen) als Obmann der Vereinigung der Ostschweizer Kreiskommandanten.
Neu in den Vorstand gewählt wurden Major Claudine Mauron (Kreiskommandantin Fribourg) als Vertreterin der Westschweiz und Oberst Philippe Achermann (Kreiskommandant Luzern) als Vertreter der Zentralschweiz. Foto>>>
Zum Thema «Unsere Armee im Wandel» sprach Divisionär Peter Stutz (Chef Führungsstab der Armee), als Hauptreferent. mehr>>>
«Ohne Menschen gibt es keine Armee»
In einem Referat befasste sich der Chef Personelles der Armee, Brigadier Dominique Andrey, mit einigen Aspekten aus seinem Verantwortungsbereich. Mit den Orientierungstagen werde ein sehr guter Erstkontakt hergestellt. Jedoch der militärische (Kader)-Nachwuchs fehle. Die Rate der Tauglichkeit liege derzeit zwischen 61 und 64 Prozent. Jedoch der Ausfall während der Rekrutenschule sei immer noch sehr hoch.
150'000 freiwillige Diensttage
Über die Tätigkeiten des neuen Kompetenzzentrums Sport und Prävention berichtete in einem Kurzreferat deren Kommandant, Oberst im Generalstab Jean-Jacques Joss. Die 45 militärischen Dachverbände führen pro Jahr an die 3500 Anlässe durch, was 150'000 freiwillige Diensttage ausmacht.
Mit Freude dürfe vermeldet werden, dass am Eidgenössischen Feldschiessen 2007 die Teilnehmerzahl leicht erhöht werden konnte. Ebenso konnte die Zahl der Unfälle während der Dienstzeit vermindert werden. (mfz)
